Nützlinge im Freiland

Biologisch. Einfach. Gut.

Im Ackerbau ist es in der Hauptsache der Maiszünsler, der enorme Schäden am Mais verursachen kann. Aus langer Tradition und Erfahrung setzen wir an dieser Stelle einen Fokus in unserer Arbeit.

Der Maiszünsler – Schädling

Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) ist wirtschaftlich der bedeutendste Schädling im europäischen Maisanbau. Die Larven des Zünslers verursachen große Schäden in der Pflanze. Erstes typisches Anzeichen für den Befall ist die abgeknickte Fahne. Durch den Fraß der Larve werden die Leitungsbahnen innerhalb der Maispflanze zerstört, was zu einer Mangelversorgung, einer schwachen Kolbenausbildung und geringen Pflanzengröße führt. Die Bohröffnungen bieten zudem ideale Eintrittspforten für schädliche Pilze.

In Jahren mit einem starken Kolbenbefall, erfolgt eine verstärkte Infektion mit Beulenbrand- und Fusariumpilzen. Die sich daraus bildenden Mykotoxine führen zu großen Problemen bei der Vermarktung der Körner.

Ohne die direkte Bekämpfung können im Körnermais erhebliche Ernteverluste von mehr als 30 dt/ha entstehen. Im Zuckermais sind Fraßschäden noch gravierender, denn Handel und Kunden akzeptieren nur makellose Kolben.

Der Maiszünsler – Entwicklung und Ausbreitung

  • Der Maiszünsler ist polyphag

    Der Maiszünsler ist polyphag und befällt neben Mais auch Paprika, Tomaten, Hopfen, Bohnen, Brennnesseln und Amaranth. Anfang des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingeschleppt, ist er heute in allen Anbaugebieten etabliert. Zu Beginn der 1970er war der Befall auf den Rheingraben, den Bodenseeraum, Südhessen, die Pfalz und Stuttgart beschränkt. Heute tritt er auch in Höhenlagen bis 700m auf. Im Norden hat er Niedersachsen erreicht, im Osten verursacht er in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg Schäden. Auch aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Österreich sind erhebliche Schäden bekannt. Der Zünsler tritt nördlich der Alpen überwiegend als univoltine Rasse, die eine Generation pro Jahr ausbildet, auf.

  • Überwinterung & Lebensdauer

    Die Larven des Maiszünslers überwintern in Maisstoppeln. Ab Mitte/Ende Mai verpuppen sie sich und ab Juni beginnt der Falterflug – zunächst die Männchen, 3–5 Tage später auch die Weibchen. Die nachtaktiven Falter verstecken sich tagsüber in Nachbarkulturen oder Grasstreifen und legen abends ihre Eier in Gelegen auf die Blattunterseiten der Maispflanzen. Ein Weibchen kann in bis zu 1000 Eier in 10 Tagen ablegen.

    Ab dem dritten Larvenstadium dringen sie in Stängel ein, meiden jedoch den Pflanzenknoten. Zum Vegetationsende erreichen sie die Stängelbasis wo sie überwintern.

    Die Lebensdauer der Falter beträgt 4–10 Tage, abhängig von Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Bei warmem, trockenem Wetter ist der Flug kürzer und intensiver, während er sich bei kühlem, feuchtem Klima verlängert. Die Falter sind aktiv ab 11°C und legen und warmen Nächten Strecken von bis zu 20 km zurück.

  • Population

    Ein Weibchen legt ca. 30 Gelege mit je 5 überlebenden Larven:
    1 x 30 x 5 = 150 Larven (davon ca. 75 Weibchen).
    Die Population wächst um den Faktor 75! Damit sie stabil bleibt, müssten 98,7 % der Weibchen sterben.

    Erste Hinweise auf eine zweite Generation des Maiszünslers in Deutschland gab es bereits im Sommer 2003. Im Spätsommer 2006 wurden bei Freiburg im Rahmen eines Projekts in Lichtfallen viele Falter gefangen, sowie kleine Larven in Maispflanzen entdeckt. Dies markiert den Beginn einer zweiten Generation in Deutschland.

    Nach einem starken Anstieg der Population in den Jahren 2007 und 2008 hat sich die bivoltine Rasse in Südbaden etabliert. Diese Variante des Maiszünslers hat einen geringeren Temperaturbedarf und kann zwei Generationen pro Jahr vollenden.

    Auch bei Mannheim ist die bivoltine Rasse seit einigen Jahren etabliert: bei Bonituren im Mai 2016 wurden hier leere Puppenhüllen gefunden, später auch Falter gefangen. Seitdem wird dieser Standort intensiv beobachtet, der Verdacht auf eine bivoltine Population hat sich bestätigt. Die bivoltine Rasse mit einem ersten Flug Ende Mai und später Mitte August verursacht deutlich größere Schäden als die univoltine Rasse.

Trichogramma-Schlupfwespen – natürliche Gegenspieler des Maiszünslers

Trichogramma-Schlupfwespen sind effektive, natürlich vorkommende Gegenspieler des Maiszünslers (Ostrinia nubilalis). Als Eiparasiten eliminieren sie den Schädling bereits im Eistadium und verhindern den Schlupf der Larven.

Trichogrammen sind bei Temperaturen über 15 °C aktiv, wobei ihr Optimum zwischen 23 und 28°C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 75 % liegt. Bei höheren Temperaturen nimmt die Aktivität ab und ab ca. 32°C werden keine Eier mehr abgelegt. Die winzigen Nützlinge können mehrere Generationen pro Saison ausbilden, doch nur wenige Individuen überleben den Winter.

Zur gezielten Bekämpfung des Maiszünslers setzen wir Trichogramma brassicae ein. Moderne Ausbringungstechniken, wie der Einsatz von Drohnen, ermöglichen eine effiziente und großflächige Verteilung der Nützlinge. Die Nützlinge werden bereits seit den 1970er Jahren gegen den Maiszünsler eingesetzt.

Bekämpfung mit der TrichoKarte®

  • Die TrichoKarte® ist ein erprobtes Verfahren zur einfachen Ausbringung der Trichogramma-Schlupfwespen:
  • Sie enthält mind. 2.000 parasitierte Eier von T. brassicae
  • 8-10 Schlupfwellen sorgen für eine Wirkungsdauer von bis zu drei Wochen:
    2 x 50 TrichoKarten® pro Hektar und Ausbringung im Silo-/Körnermais
    3–5 x 100 TrichoKarten® pro Hektar und Ausbringung im Zuckermais
  • Schutz vor Regen, einfache Handhabung
  • Hohe Wirkungsgrade
  • Bei kleinen Anbauflächen, starkem Vorjahresbefall, exponierten Standorten oder windanfälligen Lagen wird ein Sicherheitszuschlag empfohlen

Bekämpfung mit der TrichoKugel®

  • Die TrichoKugel® wurde für die maschinelle Ausbringung auf großen Flächen entwickelt und bietet hohe Produktsicherheit
  • Besteht aus einem biologisch abbaubarem Werkstoff auf Basis von Maisstärke
  • Regenfest, unempfindlich gegen Feuchtigkeit
  • 8-10 Schlupfwellen pro Kugel für eine lange Wirkungsdauer:
    2 x 100 TrichoKugeln pro Hektar und Ausbringung im Silo-/Körnermais
    3–5 x 200 TrichoKugeln pro Hektar und Ausbringung im Zuckermais
  • Einfache Anwendung per Hand oder maschinell
  • Sehr hohe Wirkungsgrade

Der Einsatz in Zuckermais oder Paprika erfolgt nach individueller Abstimmung mit dem Betrieb. Im Zuckermais ist eine sorgfältige Terminierung der Einsätze wichtig.
Bei Bedarf führen wir ein Monitoring durch, das den Falterflug und die Eiablage bei regelmäßigen Feldbesuchen überwacht.

Maiszünsler Monitoring

Das richtige Timing ist bei der Bekämpfung des Maiszünsler besondes wichtig – wir führen bei Bedarf auch das Monitoring durch, das den Falterflug und die Eiablage bei regelmäßigen Feldbesuchen überwacht.

Überregionales Maiszünsler-Monitoring

Seit 2007 verwaltet das LTZ Karlsruhe-Augustenberg ein überregionales Netzwerk von Licht- und Pheromonfallen. Die erfassten Daten werden zentral gesammelt und im Internet veröffentlicht: 
www.ltz.landwirtschaft-bw.de
www.isip.de

Die Information der Landwirte zu regionalen Ausbringungsterminen für Körner-, Silo- und Saatmais erfolgt über den amtlichen Warndienst und den Handel.

Freilassungstermine
Die Information der Landwirte zu regionalen Ausbringungsterminen für Körner-, Silo- und Saatmais erfolgt über den amtlichen Warndienst und den Handel.

  • Erste Ausbringung: bivoltin ab Anfang Juni (je nach Region), univoltin ab Mitte Juni
  • Weitere Freilassungen: nach 10–14 Tagen während der gesamten Flugdauer bei Einsatz im Zuckermais
  • Bekämpfung der 2. Generation bivoltine Maiszünslerrasse: ab Mitte/Ende August
  • Zuckermais, Paprika: Termine werden individuell mit dem Betrieb abgestimmt

Indirekte Bekämpfung des Maiszünslers nach der Ernte

  • Zerkleinerung der Maisstoppeln, da sich zur Ernte etwa 70 % der Larven unterhalb des 2. Knotens befinden
  • Verbesserung der Bodenhygiene, wodurch Infektionen mit Pilzen und Viren reduziert werden
  • Falls kein Pflügen möglich ist, sollten gut zerkleinerte Pflanzenreste flach eingearbeitet werden, um die Verrottung zu beschleunigen
  • Großräumige Stoppelbearbeitung, um Infektionsherde zu vermeiden
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