AnwendungsgebieteZuckermais

Der Schädling

Der Maiszünsler ist wirtschaftlich der bedeutendste Schädling im europäischen Maisanbau. Die Larven des Zünslers verursachen große Schäden in der Pflanze. Erstes typisches Anzeichen für den Befall ist die abgeknickte Fahne. Der Fraß der Larve zerstört die Leitungsbahnen innerhalb der Maispflanze; das führt zu einer Mangelversorgung, einer schwachen Kolbenausbildung und geringen Pflanzengröße. Die Bohröffnungen bieten zudem ideale Eintrittspforten für Pilze.

Besonders in Jahren mit einem starken Zünslerbefall im Kolben, erfolgt eine verstärkte Infektion der Kolben mit Beulenbrand- und Fusariumpilzen. Die sich daraus bildenden Mykotoxine führen zu großen Problemen bei der Vermarktung der Körner.

Ohne die direkte Bekämpfung können im Körnermais erhebliche Ernteverluste von mehr als 30 dt/ha entstehen. Beim Zuckermais sind Schäden noch gravierender. Handel und Kunden akzeptieren nur makellose Kolben.

Shadow
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Das Aussehen der Maiszünsler wird von der Farbe der Flügel bestimmt. Die Farben und Zeichnungen der Falter können differieren. Die Falter haben eine Gesamtlänge von 20-30 mm.

Weiblicher Falter: Mit einer Größe von 25-30mm länger als die Männchen. Die Vorderflügel sind hell- bis ockergelb, mit drei gezackten Binden. Die graubraunen Hinterflügel sind durch zwei dunkle Querbinden mit einem hellen Saum gekennzeichnet. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal ist der dicke Hinterleib der Weibchen.
Männlicher Falter: Die Vorderflügel des Männchens sind zimtbraun mit gelben zackig über den Flügel verlaufenden Querbinden. Typisch ist der helle Mittelfleck. Die Hinterflügel sind graubraun mit hellem Saum.

Der Maiszünsler ist polyphag, d.h. er entwickelt sich auch in anderen Kulturpflanzen wie Paprika, Tomaten, Hopfen, Bohnen, Brennesseln und Amaranth). Seine Anpassungsfähigkeit an ungünstigere Klimabedingungen, führte zu der schnellen Ausbreitung innerhalb weniger Jahre.

Die Larven überwintern in den Maisstoppeln. Je nach Witterung beginnt ab Mitte/Ende Mai die Verpuppung und ab Anfang Juni fliegen die ersten Falter der univoltinen Rasse. Der Falterflug beginnt mit dem Flug der Männchen, die Weibchen folgen im Abstand von 3-5 Tagen. Die nachtaktiven Falter verbergen sich tagsüber auch in Nachbar-kulturen oder Grasstreifen. Mit Beginn der Dämmerung werden sie aktiv und die Weibchen legen die Eier in dachziegelartigen Gelegen von bis zu 40 Eiern an die Blattunterseiten der Maispflanzen.

Während ihrer Lebenszeit von bis zu 10 Tagen, legt das Weibchen bis zu 1000 Eier ab. Für die Eiablage werden höhere und üppige Maisbestände bevorzugt. Die schlüpfenden Larven fressen zuerst an den Blüten und obersten Blättern der Pflanzen, seilen sich dann ab und bohren sich schließlich in die Pflanze ein. Vor dem Einbohren verteilen sich die Larven auch durch den Wind, in dem sie sich an einem Spinnfaden hängend, weiter tragen lassen. So können sie Strecken bis zu 4 m zurücklegen. Ab dem 3. Larvenstadium erfolgt die Einbohrung in Stängel und Kolben. Die Larve kann sich nicht durch den harten Pflanzenknoten fressen, sie verlässt deshalb den Stängel und bohrt sich neu ein oder wechselt die Pflanze.

Zum Ende der Vegetationsperiode ist die Larve an der Stängelbasis angekommen, wo sie überwintert. Sie überwintert in Diapause, einer genetisch festgelegten Winterruhe, die durch Temperatur und Licht ausgelöst wird.  Der Anteil der überwinternden Larven wird natürlich durch Verpilzung oder Vogelfraß reduziert.

Die Lebensdauer der Falter wird stark von den Witterungsverhältnissen beeinflusst, im Schnitt leben die Falter zwischen 4 und 10 Tagen. Bei hoher Luftfeuchte länger als bei niedriger. Auch leben die Weibchen länger als die Männchen. Das Geschlechterverhältnis liegt bei circa 50:50.

Ein trockener, warmer Witterungsverlauf führt in der Regel zu einem kurzen und starken Flug der Falter. In feuchten und kühlen Sommern dehnt sich der Flug über einen wesentlich längeren Zeitraum aus. Die Falter werden bei Nachttemperaturen über 11°C aktiv, die Hauptaktivität liegt bei 18-20°C. Die Falter nutzen Thermik und Winde und können so weite Strecken bis 20 km pro Nacht zurücklegen.

Entscheidend für den späteren Befall ist die Witterung während der Eiablage. Ein Weibchen kann unter optimalen Bedingungen bis  zu 1000 Eier ablegen. Die Weibchen fliegen entlang der Reihen und bevorzugen kräftige Pflanzen für die Eiablage. Ein großer Teil der schlüpfenden Larven stirbt bereits in den ersten Entwicklungsstadien. Sind die Klimabedingungen in diesem Zeitraum optimal, ist der Anteil überlebender Larven höher.

Ein Beispiel zur Populationsentwicklung des Maiszünslers mit der Annahme:
1 Weibchen legt ca. 30 Gelege ab aus denen sich je 5 Larven entwickeln
1 x 30 x 5 = 150 Larven (= 75 Weibchen)
Die Population erhöht sich um den Faktor 75!
Um die Population allein auf gleichem Niveau zu halten, müssten 74 der 75 Weibchen sterben.
Dies entspricht einer notwendigen Reduktion von 98,7%!

Der Maiszünsler wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingeschleppt und tritt inzwischen in allen Anbaugebieten auf. Bis vor etwa 20 Jahren waren die Befallsregionen begrenzt: in erster Linie der Rheingraben, der Raum Bodensee, Südhessen, Teile der Pfalz und der Großraum Stuttgart. Heute findet man den Maiszünsler auch in Höhenlagen bis 700 m. Im Norden hat er über das Kölner Becken die niedersächsischen Anbaugebiete erreicht. Im Osten richtet er flächig in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Teilen Brandenburgs größere Schäden an. Auch in den Nachbarländern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Österreich werden erhebliche Schäden registriert. In der Schweiz, Italien und Frankreich tritt er regional sogar in zwei Generationen auf. In Deutschland hat sich die bivoltine Maiszünsler-Rasse in Südbaden etabliert, in Nordbaden gibt es ein kleines Auftreten bei Mannheim.