Nützlingseinsatz im Lager

Vorratsschädlinge wie der Kornkäfer verursachen weltweit Schäden im Milliardenhöhe. Die Bekämpfung vermindert Verluste wertvoller Lebensmittel oder von Saatgut. Nachdem nur noch wenige chemische Präparate zugelassen sind, werden Alternativen nachgefragt.  Neben der Verbesserung der Lagerungstechnik (Neubauten, Kühltechnik usw.) wird deshalb auch der Einsatz der Nützlinge immer interessanter.

Biologische Bekämpfungsverfahren werden seit vielen Jahren erforscht und einige Verfahren haben den Weg in die Praxis gefunden. Mit dem Einsatz von Nützlingen wird die Idee eines integrierten Vorratsschutzes verfolgt: wir streben eine biologische Bekämpfung mit Nützlingen an, empfehlen im Einzelfall aber auch - wenn die Befallsbedingungen zu extrem sind - den Einsatz eines Insektizides, um das Befallsniveau zu senken.Im Folgejahr kann der Einsatz von Nützlingen wieder aufenommen werden.

Langfristig können nur präventive Bekämpfungsstrategien und strikte Hygienekonzepte zum Erfolg führen. Standardmäßig gehört dazu ein Schädlingsmonitoring, das einen kontinuierlichen Überblick der Aktivität von Schädlingen gewährleistet. Eine Getreidelagerung verpflichtet zur Schädlingskontrolle. Futtermittel und Lebensmittel-Rohstoffe müssen frei von Schädlingen sein.

Ein gut gereinigtes und sauber gehaltenes Lager hat gute Chancen über Jahre schädlingsfrei zu bleiben. Der Einsatz von Nützlingen soll die Vermehrung der Schädlinge verhindern und hat die größte Effektivität bei einer Leerraumbehandlung und zur Einlagerung.

Wichtig ist deshalb eine gute Beratung und Erfassung des Ist-Zustandes Vorort.

Goldene Regeln zur Vermeidung von Schäden durch Schadinsekten

  • Befallsvermeidung durch eine gründliche und regelmäßige Lagerhygiene
  • Beobachtung und frühzeitiges Erkennen des Befalls durch ein Schädlingsmonitoring
  • Einsatz einer geeigneten Bekämpfungsmaßnahme, wie z.B. den Nützlingseinsatz

Mottenbekämpfung im Lager

Vorratsschädigende Motten (Dörrobst-, Mehl- oder Getreidemotten) sind weit verbreitete Schädlinge in Betrieben der Lagerung und Lebensmittelverarbeitung. Gefährdete Waren sind Getreideprodukte, Nüsse, Gewürze, Tees, Nudeln, diverse Süßwaren, wie z.B. Schokolade. Oft sind auch Tierfutter, vor allem Vogel- und Körnerfutter befallen.

Ein Befall durch Lebensmittelmotten ist unappetitlich und unter Umständen auch gesundheitsgefährdend. Durch die Fraßtätigkeit der Larven werden Lebensmittel verdorben, der Verzehr befallener Lebensmitteln kann zu allergischen Reaktionen, Schleimhautreizungen bis hin zu Darmerkrankungen führen. Auf den Kotresten siedeln sich zu dem Milben und verschiedene schädliche Pilze an. Von Vorratsschädlingen befallene Lebensmittel sind deshalb nur noch bedingt verkehrsfähig und müssen entsorgt werden.

 

Aussehen und Lebensweise der Dörrobstmotte (Plodia interpunctella)

Am häufigsten kommt auch im Lager die sog. Lebensmittelmotte vor, die Dörrobstmotte Plodia interpuncutella. Die Falter sind sehr leicht an der markanten Flügelfärbung zu erkennen (auf den Vorderflügeln bronzefarbene Binden auf silberfarbenem Grund), Größe ca. 1 bis 1,5 cm. Die Larven sind gelblich-weiß gefärbt und werden bis 1,5 cm groß.

Die weiblichen Falter legen ihre Eier (200-300 Eier/Weibchen) an oder in direkter Nähe zu Lebensmitteln ab. Schon kurze Zeit später schlüpfen die kleinen Larven und beginnen mit dem Fraß. Anschließend wandern sie umher und suchen nach einen geeigneten Versteck um sich zu verpuppen.

Bei Zimmertemperat dauert die Larvenentwicklung etwa 4 Wochen. Nach weiteren 10 Tagen schlüpft die nächste Generation der Falter.

Im Lager können im Einzelfall auch die Mehlmotte Ephestia kuehniella, die Getreidemotte Sitotroga cerealella, der Mehlzünsler Pyralis farinalis, sowie diverse Speichermotten auftreten. Die Eier dieser Motten werden von Trichogramma angenommen.

Grundregeln zur Befallsvermeidung

  • Die Schädlinge gelangen oft mit dem Wareneingang ins Lager. Beim Wareneingang bzw. spätestens vor der Einlagerung sollte die Partie auf Schädlingsbefall kontrolliert werden (ein Befall ist erkennbar an den versponnenen Kotkrümmeln, Gespinnsten oder Fraßschäden an der Verpackung).
  • Erkennbar befallene Waren müssen separat gelagert werden.
  • Verpackungen aus Folie oder Papier bieten keinen Schutz vor Schädlingsbefall.
  • Warenbestand regelmäßig kontrollieren und Waren nicht überlagern: je länger Vorräte lagern, desto größer ist die Gefahr eines Schädlingsbefalls.
  • Waren nicht offen lagern, nach Möglichkeit in dichtschließende Behälter umpacken.
  • Vorräte immer trocken und nach Möglichkeit so kühl wie möglich lagern.
  • Einfache und glatte Regalstrukturen bieten den Schädlingen weniger Schlupfwinkel und erleichtern die Reinigung.
  • Fensteröffnungen mit Fliegengitter sichern, um den Zuflug zu verhindern.
  • Ein Monitoringsystem ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Schädlingsmanagement.
  • Pheromonfallen dienen allein der Kontrolle der Schädlinge und sind kein effektives Bekämpfungsmittel. Es werden nur Männchen gefangen, die Weibchen legen weiterhin Eier ab.
  • Helfen alle vorbeugenden Maßnahmen nicht, dann Schlupfwespen zur Mottenbekämpfung einsetzen. Die winzig kleinen Schlupfwespen (kleiner als 0,4 mm) sind in der Lage, die Motten effektiv und umweltfreundlich zu bekämpfen.

Motten im Lager biologisch bekämpfen

Die TrichoKarte ist eine seit vielen Jahren bewährte Ausbringungseinheit für Trichogramma-Schlupfwespen. Sie wird millionenfach im Freiland, im Unterglasanbau, in der Lagerhaltung und privaten Haushalten eingesetzt.

Die TrichoKarte VORRAT wird standardmäßig mit 2000 parasitierten Eiern einer Trichogramma evenasecens (für eine Ausbringung alle 14 Tage) oder 3000 parasitierten Eiern (für eine Ausbringung alle 21 Tage) belegt. 3000 parasitierte Eier belegen eine Fläche.

Trichogramma-Schlupfwespen sind Eiparasiten, d.h. sie suchen die abgelegten Eier der Motten, legen ihre eigenen Eier darin ab, und statt einer Mottenlarve schlüpft eine nützliche Schlupfwespe. Dieser Kreislauf wiederholt sich, solange Motteneier vorhanden sind. Finden die Schlupfwespen keiner Motteneier mehr, dann sterben sie aus.

Um den Entwicklungszyklus der Motten wirksam zu unterbrechen, sind mind. vier Freilassungen der Schlupfwespen im Abstand von jeweils 14 Tagen notwendig. Alternativ können im Lager die 3000er Karten alle 3 Wochen eingesetzt werden.

Je nach Vorbefall und Gefährdungssituation müssen die Ausbringungen über die ganze Saison (Frühjahr bis Herbst) durchgeführt werden.

Die  Qualität entscheidet!

Wir züchten seit über 20 Jahren Trichogramma-Schlupfwespen zur biologischen Bekämpfung verschiedener Schadschmetterlinge. Die Zucht von Nützlingen erfordert viel Erfahrung und Sorgfalt. Unsere Ausbringungssysteme, z.B. die TrichoKarte, sind erprobte und seit vielen Jahren in der Praxis etablierte Verfahren.

Beim Einsatz von Nützlingen ist eine fundierte Beratung wichtig. Wir beraten Sie gerne.

Larvenbekämpfung im Lager

Die Brackwespe Bracon hebetor, auch Habrobracon hebetor genannt, ist eine der am besten untersuchten Schlupfwespen im Vorratsbereich. Sie lähmt die  Mottenlarven durch einen Einstich, worauf diese sofort zu fressen aufhören. Auf diese Weise sichert sich die Brackwespe mehrere Larven und beginnt danach mit der Eiablage. Das Bracon-Weibchen legt ihre Eier außen an den Larven ab. Die jungen Wespenlarven saugen solange an der Mottenlarve bis nur noch die vertrocknete Hülle übrig bleibt. Anschließend bilden die Wespenlarven Mini-Seidenkokons, aus denen die neue Generation Brackwespen schlüpft.

Auch diese Schlupfwespen orientieren sich am Geruch der Mottenlarven und ihren Exkrementen. Sie können den Schädlingen in kleinste Ritzen und Spalten folgen und selbst die überwinternden Larvenstadien in ihren Gespinsten werden parasitiert.

Wir empfehlen einen Einsatz sobald Tageshöchst-Temperaturen von 20°C erreicht werden. Das Optimum für die Schlupfwespenentwicklung liegt zwischen 25-30°C, kurzzeitig werden auch Höchsttempertauren bis zu 35° toleriert. Der Einsatzzeitraum liegt zwischen Mitte April und Ende September.

Empfehlenswert ist der Einsatz zur Leerraumbehandlung (nach einer gründlichen mechanischen Reinigung) sowie zur Einlagerung des Getreides. Trotz einer gewissen Ansiedlung und Weitervermehrung, sollten die Mehlmottenschlupfwespen wiederholt freigelassen werden, um einen ausreichenden Bekämpfungsdruck aufzubauen.



Folgende Schädlinge können mit der Mehlmottenschlupfwespe bekämpft werden:

Mehlmotte (Ephestia kuehniella)
Dörrobstmotte (Plodia interpunctella).
Speichermotte (Ephestia elutella)
Wachsmotte (Galleria mellonella)

Der Einsatz der Mehlmottenschlupfwespe (gegen die Larven) kann in der Regel mit dem Einsatz der Trichogramma-Schlupfwespe (gegen die Eier) kombiniert werden. Im Getreidelager und in den verarbeitenden Betrieben, z.B. Mühlen oder Bäckereien werden damit gute Bekämpfungserfolge erzielt. Wichtig für eine Befallskontrolle und die Bestimmung des optimalen Einsatztermins ist ein Monitoring oder Überwachung durch den Einsatz von Pheromonfallen.

Anwendungsempfehlung für den präventiven Einsatz

Die erste Behandlung erfolgt zur Leerraumbehandlung oder direkt nach Einlagerung. Ausbringungsintervall: 14 Tage, Temperaturbereich 15-35°C. Die Aufwandmengen können von Lager zu Lager varieren.

Käferbekämpfung im Lager

Die Lagererzwespen sind natürlich vorkommende Gegenspieler von Vorräte schädigenden Käferlarven. Die Fähigkeit, versteckt im Korn lebende Larven zu finden, macht die Schlupfwespen für besonders interessant.

Die Käferlarve wird durch das Korn hindurch angestochen und paralysiert, wobei die Schlupfwespe ihren Legebohrer in das Korn einbohrt und  ein Ei neben die Käferlarve ablegt. Die Larve der Schlupfwespe schlüpft und ernährt sich während ihres Wachstums von der Käferlarve und macht sie damit unschädlich. Nach der Verpuppung nagt die erwachsene Lagererzwespe ein Loch in das Korn und verlässt es auf der Suche nach weiteren Schädlingen. Bei etwa 26°C (70% LF) dauert die Entwicklung circa 3 Wochen, wobei die Weibchen nach den Schlupf etwa zwei Wochen leben.

Ein Lariophagus-Weibchen ist nur 2-3 mm klein. Diese Nützlinge sind schwarzfarben und schimmern leicht metallisch (daher "Erz"-wespen).

Folgende Käferarten werden von Mehlmottenschlupfwespen parasitiert:

Australischer Diebkäfer
Brotkäfer
Bohnenkäfer
Erbsenkäfer
Getreidekapuziner
Bohnenkäfer
Kornkäfer
Kräuterdieb
Messingkäfer
Kugelkäfer
Reiskäfer
Tabakkäfer

Die Lagererzwespen können ergänzend zum Trichogramma-Einsatz, auch gegen die Larven der Getreidemotte (Sitotroga cerealella) eingesetzt werden, die sich im Korn entwickeln.

Anwendungsempfehlung LarioTop® :

Leerraumbehandlung als präventiver Einsatz. Die erste Behandlung erfolgt unmittelbar vor bzw. nach der Getreideeinlagerung. Wiederholung nach 14 Tagen.

Bekämpfung der Getreideplattkäfer

Das Ameisenwespchen (Cephalonomia tarsalis) ist auf Getreideplattkäfer spezialisiert und kann die Käferlarven über mehrere Meter anhand der Kotkrümel lokalisieren. Es ist etwa 2-3 mm klein und schwarz. Auch beim Anstich durch die Schlupfwespe erfolgt eine sofortige Lähmung der Käferlarven. Pro Käferlarve entwickeln sich bis zu zwei Ameisenwespen. Nach etwa 3 Wochen schlüpfen neue Wespchen aus den Kokons.

Da der Getreideplattkäfer oft nach Kornkäferbefall auftritt, können Ameisenwespchen und Lagererzwespen kombiniert ausgebracht werden.

Motten-Monitoring im Lager

Der erste wichtige Schritt zur erfolgreichen Bekämpfung von Schädlingen in der Lagerhaltung ist die Installation eines Monitorings, eines Kontrollsystems, um einen Überblick über das aktuelle Schädlingsgeschehen zu erhalten.

Mit Hilfe von spezifisch wirkenden Pheromonfallen, die den Lockstoff der unbegatteten weiblichen Schädlinge abgeben, kann sicher festgestellt werden, ob Motten (oder Käfer) aktiv sind. Mit der Pheromonfalle werden keine weiblichen Motten gefangen und auch nur ein Teil der männlichen Motten. Werden männliche Motten gefangen, dann sind auch die eierlegenden Weibchen unterwegs. Es können Trichogramma-Schlupfwespen zur biologischen Bekämpfung eingesetzt werden.

Pheromonfallen: einfach in der Handhabung und ungiftig!

Für den Einsatz im Lager bieten sich wieder verwendbare Trichter- oder Eimerfallen an. Hier muss der Pheromonköder regelmäßig gewechselt werden.

Pro Raum (bis 100 qm) reicht eine Falle. Werden die Fallen zu eng aufgehängt, dann stören sie gegenseitig und die Mottenmännchen finden die Fallen in der intensiven Duftwolke nicht. Stellen, an denen bereits vereinzelt Motten beobachtet wurden, eignen sich besonders als Fallenstandort.

Die Fallenfänge kontrollieren und dokumentieren!

Im zeitigen Frühjahr sollten die Pheromonköder ausgetauscht und bald mit der regelmäßigen Kontrolle der Falle begonnen werden. Den Fang schriftlich dokumentieren, nur so erhält man einen Überblick über das aktuelle Schädlingsaufkommen und kann rechtzeitg Bekämpfungsmaßnahmen einleiten. Auch nach der Bekämpfung sollte weiter kontrolliert werden.

Kombinierbar mit dem Schlupfwespen-Einsatz

Die Pheromonköder sind max. bis zu 3 Monate haltbar, sollten aber - gerade in den warmen Monaten - nach einem Vierteljahr ausgetauscht werden, um eine sichere Fangwirkung zu erzielen. Die Motten-Lockstoffe sind völlig ungiftig und auch für Trichogramma-Schlupfwespen uninteressant.

Auf Vorrat gekaufte Pheromonfallen sollten möglichst kühl gelagert werden.