Gewächshaus

Im feuchtwarmen Klima der Glashäuser, Tropenhäusern oder Zoologischer Gärten gedeihen nicht nur die Pflanzen gut, sondern auch viele Schädlinge! Darunter befinden sich auch Schadmotten, zu deren Bekämpfung Trichogramma-Schlupfwespen eingesetzt werden können. Der Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen ist eine gute Alternative, besonders wenn auch andere Nützlinge eingesetzt werden.

Monitoring mit Pheromonfallen

Anhand artspezifischer Pheromonfallen werden männliche Falter gefangen. Die Fallen dienen aber nur zum Monitoring.

Trichogramma-Sammlung

Mehr als 30 Arten (etwa 250 Stämme) Trichogramma umfasst unsere Sammlung von Trichogramma. Zur Bestimmung und Pflege dieser Zuchtsammlung führen wir eine molekulargenetische Artbestimmung (ITS-2 PCR) durch, da die winzig kleinen Nützlinge (ca. 0,4 mm) auch unter dem Mikroskop nur schwer zu differenzieren.

Bekämpfung von Schadmotten im Gewächshaus

Schadschmetterlinge zählen zu den am meisten gefürchteten Schädlingen im Unterglasanbau von Gemüse oder Zierpflanzen, aber sauch in Tropenhäusern. Darunter befinden sich Eulen, einige Wickler-Arten, Zünsler und auch Vertreter der „Echten Motten“.

Die größten Probleme entstehen durch den Fraß der Raupen. Sie bohren sich in die Stängel ein, fressen an den Blättern und Früchten oder zerstören die Wurzeln. Die Folge sind Wuchsprobleme, Ertragsausfall oder optische Mängel, die die Vermarktungsfähigkeit von Pflanze oder Frucht mindern.

Im Unterglasanbau treten die Schädlinge zudem früher auf als in Freilandkulturen, teilweise sind sie sogar das ganze Jahr über aktiv. Viele Betriebe setzen Schlupfwespen deshalb über die ganze Vegetationsperiode ein und kontrollieren den Flugverlauf mit Hilfe von Pheromonfallen.

Im Unterglasanbau werden die Schlupfwespen mit Hilfe der TrichoKarte GW verteilt. Die TrichoKarte ist eine seit vielen Jahren in der Landwirtschaft etablierte Ausbringungseinheit für Trichogramma. Auf jeder TrichoKarte befinden sich schlupfbereite Nützlinge in verschiedenen Altersstufen, die über einen Zeitraum von ca. 14 Tagen aktiv sind. Je nach Befallsstärke und Einzelsituation können unterschiedliche Aufwandmengen von Trichogramma eingesetzt werden.

Abhängig vom Schädling, können folgende Trichogramma-Arten eingesetzt werden:

  • T. brassicae zur Bekämpfung des Maiszünslers und anderer Zünsler
  • T. evanescens zur Bekämpfung von Eulen und Wicklern
  • T. cacoeciae und T. dendrolimi zur Bekämpfung verschiedener Wickler und Zünsler

Oft können die Schädlinge nicht genau bestimmt werden, manchmal treten sogar mehrere Schädlinge gleichzeitig auf. Deshalb bieten wir auf der Trichokarte eine Kombination verschiedener Trichogramma-Arten an.

Im Frühjahr fliegen zudem Schädlinge von Außen zu und entwickeln sich aufgrund der günstigeren Klimabedingungen schneller als im Freiland. In heißen Sommern können günstige Südwinde Schadschmetterlinge wie den Baumwollkapselwurm Helicoverpa armigera aus dem Mittelmeergebiet zu uns verfrachten. Diese Larven verursachen große Schäden an Tomaten, Mais und Tabak, aber auch an Zierpflanzen und Sonnenblumen. Auch 2019  Helicoverpa in Südbaden in einigen Kulturen Schäden verursacht, am auffälligsten im Zuckermais.

Prospekt-Download zum UnterglasanbauDie wichtigsten Schadmotten im Unterglasanbau

Der Maiszünsler Ostrinia nubilalis tritt regelmäßig an Paprika auf. Die Eier des Zünslers werden ab Anfang Juni in Gelegen an die Blätter gelegt. Die daraus schlüpfenden Larven bohren sich nach kurzer Zeit in die Früchte ein und schädigen die Frucht. Eine angefressene Paprikafrucht kann nicht mehr vermarktet werden. Der Maiszünsler überwintert als ausgewachsene Larve im Maisstängel oder im Gewächshausboden und verpuppt sich im Frühjahr. Auch im Zierpflanzenanbau treten Probleme mit Schadmotten auf. Hier sind es überwiegend Vertreter der Erdraupen, die die Pflanzen schädigen. So findet man die Kohleule auch an Cyclamen, wo die Larven die Blüten anfressen und dadurch große wirtschaftliche Schäden verursachen.

An Zierpflanzen wie Poinsettien, in Orchideenzuchten und an Bromelien hat sich in den letzten Jahren der Orchideenzünsler Duponchelia fovealis als Schädling etabliert. Auch bei Wasserpflanzen, Poinsettien, Rosen, Kalanchoe, Cyclamen, Ficus, Begonia und Gerbera kann Duponchelia beträchtliche Schäden verursachen. Die Larven fressen an den Blättern und Stängeln und zerstören damit die Pflanzen. Duponchelia wird erst in den Abendstunden aktiv und so werden die erwachsenen Motten nur selten wahrgenommen. Die Raupen spinnen bei Topfpflanzen die untersten Blätter an die Erde und verstecken sich darunter.

Der Bananentriebbohrer Opogona sacchari und nahe verwandten Arten sind „Echte Motten“ (Tineidae) und finden in Tropenhäusern und Zoologischen Gärten ein reiches Nahrungsspektrum an Futterpflanzen wie Bananen, Bromeliengewächsen, Yuccas und anderen Pflanzen. Vom berindeten Holzgeländer bis zu Palmen fressen sie an fast allen Pflanzenteilen. Kleine Pflanzen in der bodennahen Krautschicht können mit nützlichen Nematoden behandelt werden, der  Einsatz von Trichogramma eignet sich gegen die oben abgelegten Eier der Bananentriebbohrer.

Neu eingeschleppte Schadschmetterlinge

Neue, nach Deutschland eingeschleppte Schädlinge haben weiterhin Hochkonjunktur: die Kastanienminiermotte, die Walnussfliege, Lauchminierfliege, Maulbeereschildlaus, die Kirschessigfliege Drosophila suzukii und der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis schaffen es immer wieder auf die Titelseiten.

Der Buchsbaumzünsler Cydalima (= Diaphania perspectalis) wurde mit Pflanzenimporten aus Ostasien eingeschleppt und 2007 erstmals im Süden Deutschlands registriert . Seitdem breitet er sich schnell Richtung Norden aus und befällt die Buchspflanzen in Vorgärten und Parkanlagen. Das Rhein-Main-Gebiet hat er bereits überschritten und breitet sich weiter den Rhein entlang Richtung Norden aus.

Die Bekämpfung ist schwierig, da die kleinen Larven sich zwischen den Blättern einspinnen und nur schlecht erreicht werden können. Ein frühzeitiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Neem, Bacillus thuringiensis) gegen die jungen, noch nicht eingesponnenen Raupen, verspricht die besten Bekämpfungserfolge. Der Einsatz von Trichogramma oder Larvenparasiten erreicht leider nicht die Wirkungsgrade, die für eine erfolgreiche und sichere Bekämpfung notwendig sind.

Die Eier des Buchsbaumszünslers werden parasitiert, jedoch sterben die Eiparasiten schon früh in ihrer Entwicklung. Das gleiche geschieht beim Einsatz des Larvenparasiten Bracon. Ursache hierfür ist das in der Pflanze enthaltene Buxin. In China sind mehrere Schlupfwespen als natürliche Parasiten bekannt, ihre Nachführung wäre aber ein hohes Risiko für unsere heimische Insektenwelt.

Die Tomaten-Goldeule Chrysodeixis chalcites ist in den Niederlanden seit Jahren ganzjährig in Tomatenkulturen verbreitet.  Inzwischen tritt sie regelmäßig auch in deutschen Unterglaanlagen auf. Auch die Tomatenminiermotte Tuta absoluta hat sich stark ausgebreitet und stellt inzwischen ein ernsthaftes Problem dar. Trichogramma ergänzt die Möglichkeiten der biologischen Bekämpfung gegen die Tomatenminiermotte, vor allem im Bio-Anbau.

Die Raupen des Baumwollkapselwurmes Helicoverpa amigera treten partiell an Tomaten, Mais, Sonnenblumen, Tabak, Erbsen, Bohnen und Kohlarten auf. Oft wird Helicoverpa aber nicht eindeutig identifiziert und ihre Larven werden mit denen der Erdeulen verwechselt.  Helicoverpa ist ein bedrohlicher Schädling mit einer hohen Vermehrungsrate von bis zu 1000 Eiern je Weibchen.

Unsere Untersuchungen haben gezeigt, wie sich das Auftreten von Schadlepidopteren in den letzten Jahren verändert hat, und wie neue Schädlinge zu einem massiven Problem werden können. Während Helicoverpa in den 1970ern höchst selten, erst spät im September zum Problem werden konnte und zu dieser Zeit keine nennenswerten Schäden mehr anrichtete, wiesen wir 2007 im Ober-Rheingraben eine erste Aktivität bereits Ende Juli nach. Der Schädling tritt heute unter günstigen Bedingungen mehr als zweieinhalb Monate früher auf und kann dann während der noch laufenden Vegetationssaison erhebliche Schäden anrichten.

Forschungsprojekt

Vom 01. 01. 2005 bis 31.12.2007 arbeiteten wir an einem von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) mitfinanzierten Projekt zur Erforschung des Einsatzes von Trichogramma gegen den nach Europa eingewanderten Schädling Baumwollkapselwurm Helicoverpa armigera.

Der Einsatz von Trichogramma

Die Ausbringungstermine richten sich nach den Flugzeiten der Schädlinge. Mit Hilfe von Pheromonfallen und direkten Beobachtungen kann der Einsatztermin bestimmt werden. Als Eiparasit zerstört Trichogramma die Schädlingseier durch die Parasitierung. Die Trichogramma-Schlupfwespen können ganzjährig geliefert werden.

Aufwandmengen

Pro 50m² Gewächshausfläche wird i.d.R. eine TrichoKarte benötigt. Diese wird ungeöffnet an der Pflanze befestigt, indem sie über den Stängel oder ein Blatt gezogen wird. Nach zwei Wochen sind alle Nützlinge aus dem Kärtchen geschlüpft. Die Behandlung wird so oft im zweiwöchigen Abstand wiederholt, bis der Flug der Schadmotten beendet ist.

Der Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen passt problemlos in die Einsatzpläne der biologischen Schädlingsbekämpfung und ist mit vielen Bekämpfungsmitteln vereinbar. Je nach Art des Schädlings und Stärke des Befalls kann die Dosierungsempfehlung variieren.